Rock the Ring

Gemäss Veranstalter pilgerten 16'000 Besucher*innen ins Zürcher Oberland, um bei sengendem Sonnenschein Acts in vielerlei Rock-Kategorien zu konsumieren. Wir berichten exemplarisch vom Samstag.

Sounds

Glaubt man Unkenrufen aus Übersee, sind Dirty Honey  dort gerade gross angesagt und werden ebenso gepusht (oder etwa umgekehrt?). Die ersten Riffs erinnern unweigerlich an frühe AC/DC, der Sänger wiederum klingt ein wenig wie Axl Rose und sowieso fragst du dich ständig: Zeppelin, Lynyrd Skynyrd, eine Prise Chili Peppers (einfach ohne Funk) et cetera. Die vier Westküstler präsentieren aufgepimpten 70er Rock, der auf jeden Fall noch Dirt verträgt, sich dennoch aber in die Stimmung einfügt und als Opener tipptopp funktioniert.

Mit Accept stehen Altstars auf der Bühne, heisst vor allem Hoffmann, weil von der Originalbesetzung sonst ja keiner mehr mittut. Über Markennamen lässt sich bekanntlich ja streiten, eigentlich aber weiss jede*r, dass Inhalt und Verpackung nicht dasselbe sind. Aber frag Dirkschneider himself, der seinerseits es grossartig verpasst hatte, sich das Accept-Label selbst zu schnappen. Jedenfalls legen die Jungs los wie sagen wir mal rüstige 40 und servieren scharf geschnittenen Metal vom Feinsten. Präzise gespielte Gitarren, akkurate Solis, sowie das Organ von Mark Tornillo gerade jene Klassiker aus den 80ern äusserst vital zu interpretieren vermag. Wagen sie sich jedoch an neueren Stoff, scheint den Artisten die Energie wie weggeblasen, was unweigerlich sich auf die Audienz überträgt. Als ob sie vor der Last der Vergangenheit kapitulierten, was natürlich Unsinn und ebenso schade ist.


Black Label Society sind Zakk Wylde, der bei Ozzy in die Lehre gegangen war, ergänzt um hochkarätige Wegbegleiter. Kaum die Bühne geentert, legen sie los, als ob der Leibhaftige ihnen im Nacken sässe, was mir dann vorkommt wie Hurrikane oder sonst so Sturm. Bleischwerer Doom mit purer Freude vorgetragen, wobei du manchmal denkst, Zakk habe sich bei Ozzy mehr als abgeschaut. Ein echtes Vergnügen jedenfalls, dass wir einhellig bereit sind, den Amis die Balladen- und unnötigen Soloinputs grosszügig zu verzeihen. Weshalb Gitarren hinter dem Kopf gespielt werden wollen, wenn’s vorne rum einfach (noch) besser klingt, geht mir jedenfalls nicht auf. Aber auchg egal.


Wegen Alice Cooper hat sich so manch Ü60er mit glänzenden Äuglein nach Hinwil bequemt, was dem Anlass durchaus Gemütlichkeit verleiht. Wir betrachten den Auftritt aus Distanz, weil von Nahem schielst du stets nach dem nächsten Defibrillator.


Interview mit Marc Storage (Krokus, Storace)

Ca. 21:30 auf dem Parkplatz hinter der Bühne. Einer, der sich bedeckt hält, zwei vom Radio plus HeAvYmeTal.ch warten darauf, mit Marc ein paar Worte zu wechseln. Der vom Radio führt ‘ne Riesenklappe, weil er wie’s scheint mal bei Marc im Studio gewesen war. Worauf ich mir den Sender merke, um garantiert nie reinzuhören. Vorne beim Restaurant lümmeln Jungs von Accept, wahrscheinlich gerade aus der Massage, dem Eisbad oder so ähnlich. Jedenfalls machen sie einen entspannten Eindruck.

Marc entpuppt sich als sympathischer, fast scheuer Typ, dass du kaum glaubst, dass der Mann ausverkaufte Stadiontourneen hinter sich hat. Unser Gespräch dreht sich um TEA, seine First-Band, London der 80er und natürlich Krokus. Und ja: Tatsächlich hat Marc den Jungs von AC/DC eine Abfuhr erteilt, damals, als Bon Scott na du weisst schon…

Das vollständige Interview vielleicht später, man hat ja nicht den ganzen Tag Zeit…


Text und Fotos: Tanja & Claude von HeAvYmeTaL.ch