Last Call for DANZIG

Vom 3. bis 6. Juni 2026 findet das Mystic Festival auf dem Gelände der alten Schiffswerft Danzig statt. 90% der 4-Tage Tickets sind bereits vergeben, 81% aller VIP Pässe genauso. (Letztere im Übrigen ein MUST, bevorzugst du den optimalen Mainstage Blick mit Bar in Reichweite.) 

Die Billing List präsentiert sich auch heuer von Vielseitigkeit geprägt. In die polnische Hafenstadt reist du schliesslich nicht primär dem Superstarsplash wegen, sondern lässt dich von Entdeckergeist leiten. Auch dieses Jahr werden es fünf Bühnen sein, wobei mindestens drei davon unter freiem Himmel aufgebaut werden. Den Indoor-Dichtestress vergangener Jahre versuche man heuer mit einer etwas anderen Aufteilung zu begegnen. Sind wir mal gespannt!

Den Veranstaltern gelingt es auch bei gut 30'000 Besucherinnen und Besuchern stets, urchige Gemütlichkeit zu erzeugen. Quality Time verbringt eine/r nicht in endlosen Bierwarteschlangen, sondern zieht sich stattdessen Livemusik rein. Noch dazu vormittags ans nahe Meer gefahren, biergeschwängert in der Stadt herumgeposert und/oder kulinarische versündigt, dass bis in die späte Nacht hinein pogen quasi hehre Pflicht darstellt. Oder wenigstens für manche. 

HeAvYmeTaL.ch ackerte sich durch sämtliche 92 Bands und konfrontiert dich im Folgenden mit persönlich Herausgepicktem diverser Kategorien. Statistisch gesehen hält die Sparte Black'n'Death die höchsten Anteile (44%), Doom-Stoner-Sludge Varianten, Metalcore, Rockiges und EBM-ähnliches kommen jeweils auf etwas 10%. Und wenn wir schon dabei sind: 1/3 aller Akteure reisen aus den Vereinigten Staaten an, gefolgt von 12% polnischen Vertretern (sic!), 11% Schwedinnen/Schweden und 10% britischen Acts. Die Schweiz erreicht mit BÖLZER, MONKEY3 und CORONER gerade mal 3% Gesamtanteil. Doch war's schon mal Null.

Kategorien


Nun ja. Im Bereich schwärzester Zentren legen wir dir gleich mal BÖLZER an den (wie auch immer gearteten) Herzmuskel. HzR und KzR stehen für kraftvoll kompakte Songs, die ätherisch atmen, dennoch aber abgehen wie (früher wenigstens) der gelbe Riese. Randbemerkung: "Bölzen" bedeutet im Schweizerdeutschen soviel wie «uneinsichtig in maximaler Geschwindigkeit mitunter ziellos rasen». Dass einer dabei zuweilen aus dem Vehikel geschleudert wird, gehört zum Risiko.

Im (fast) selben Atemzug ist auf das Soloprojekt HULDER zu verweisen. Mittlerweile in Washington ansässig, beschwört Marliese Beeuwsaert plus Kollegium finsterstes Mittelalter, dass Blut dir in Brocken gefrieren mag. Gleich charismatischer Zweitwellen-BM der superlativ TRVEen Sorte.

DOLA spielen eigenwillig dissonant jazzigen (Post-) BM, wobei sie sich Null und Nada um Genrekisten kümmern. Ob wuchtig nach vorn gehämmert, qualvoll ins Mikro gekreischt oder aber lustvoll Sax malträtiert bleibt das Trio vor allem sich selbst treu. Was scheint's nicht das Schlechteste sei. 

WINTERFYLLETH stammen aus Nordumbrienund und spielen Metal so um den Gefrierpunkt rum. Doch besser als C.C. Delorean kannst du es kaum ausdrücken: 

«When I think of black metal, specifically really good black metal, I think of a perfect balance being struck between atmosphere and dissonance. You can’t have too much of one or the other, but with the right dosage and a mastery of ebb and flow, all of a sudden, that’s when the magic happens»1.

DER WEG EINER FREIHEIT aus Würzburg spielen verzweifelt komplexe Schwarzmusik, die orkanartig übers Land fährt und nichts als (verwüstete) Kargheit hinterlässt. Wie sich ihr aktuelles, im Herbst 2025 erschienenes Album Innern live anfühlen wird, sind wir mehr als gespannt.

Auf unserer ultimativen Ratingliste deutlich abgeschlagen, dennoch aber zu erwähnen sind Nergals BEHEMOTH, die im Heimatland als Institution verehrt werden, GAAHLS WYRD, von dem du nie so recht weisst, in welchem Teich er gerade zu fischen beliebt, KANONENFIEBER, wo ich jetzt gar nicht mehr so weiss, was es überhaupt (noch) zu sagen gibt und ROTTING CHRIST, bei denen du es eigentlich nicht schaffst, sie noch nie gesehen zu haben. Zuallerletzt jene MARDUK, die ultraschnell böse mit NSBM nix am Hut haben wollen. Verfassungswidrige Gesten «passieren» schliesslich jedem mal.


Tödlich morbiden Disziplinen zugewandt, gelangen wir subito zu den Amis von BLOOD INCANTATION, die gleichermassen Eingeschworene wie Nerds zu begeistern vermögen. Treffend aus Anthony Fantanos Feder: 

«[...] if you really want to make metal heads go mad, all you need to do is put out a record that is equal parts prog rock, death metal, and sci-fi»2.

Und basta. 

An GRAVE führt geradeso kein Weg vorbei, wenn auch aus anderen Gründen. Ihr letztes Studioalbum ist mehr als zehn Jahre her, was den Schweden gutzurechnen ist. Denn manchmal gibt's nicht mehr zu sagen & Deckel drauf. Alben wie Into the Grave (1991), You'll never see (1992) und Soulless (1994) gelten zu Recht als Genreklassiker. Was du bereits wusstest. 

Genauso bedürfen BENEDICTION aus Birmingham keiner weiteren Ausführung. Jedenfalls ist denen der Grip auch nach längerer Pause nicht abhandengekommen. 

Um den Kreis gleich rund zu machen, beehrt uns mit DEATH TO ALL eine Tribute Band um (ex-Death) Bassist Steve DiGiorgio plus weitere ehemalige Member der Kultband. Ausser, dass anstelle des verstorbenen Schuldiners eben Max Phelps das Mikro bedient. Auch wenn dir Tributes im Generellen weniger zusagen, machst du HIER die löbliche Ausnahme!

DECAPITATED frönen seit 1996 technisch groovigem Todesmetall. Ihr Album Cancel Culture (2022) überzeugt durch variable, beinhart nach vorne gespielte Songs, die sich dem Experimentellen keinesfalls verschliessen. Schau ich mir auf jeden Fall an!

NEPTUNIAN MAXIMALISM verticken nicht nur coole Merch, sondern haben gewaltig was unter der Haube. Nachdrücklich orchestrales Avant Garde-Todeskrautmetall der insgesamt schwer verdaulichen Sorte. Ihre Musik kommt in der Art einer Zeitluppenprozession daher, damit du jeden Moment gleich mehrfach erlebst. Nicht für jeden Tag geschaffen, aber wenn, wärst du doof, sie dir entgehen zu lassen.


Verlieren wir uns in der Thrash'n'Heavy Ecke, folgt sowas wie Geschichtsunterricht. Oder Auffrischung. Mit MEGADETH zum Beispiel bespielt ein Act der guten alten Schule die Danziger Mainstage. David Scott Mustaine auf Abschiedstournee, wobei er verspricht, sich hochkarätig begleiten zu lassen. Auf ihn hätte nach seinem Rausschmiss bei Metallica niemand gewettet, bis zwei Jahre später er mit dem Meisterwerk Killing Is My Business... (1985) unmissverständlich Zeichen setzte. Heuer schmerzt und zwickt's ihn da und dort, weil so ein Leben auf Achse ganz und gar nicht ohne sei. Mit einem feinen letzten Album reist er nach Danzig, um sich gebührlich von uns zu verabschieden. Was wir ihm nicht verwehren.

In den späteren Achtzigern bewiesen CORONER aus der winzigen Schweiz, dass dem Metal eine Prise Avantgarde keinesfalls abträglich ist. Noch dazu animierten sie bereits renommierte Genrekollegen dazu, gleich noch ein bisschen härter zu üben. Alben wie R.I.P. (1987) und Punishment for Decadence (1988) gehören in jede vernünftige Metallsammlung, zudem beweisen sie mit dem aktuellen Hörwerk Dissonance Theory (2025), dass ihr Hochpräzisionsthrash noch immer bestens funktioniert. 

Doch nicht genug. OVERKILL, ANTHRAX und FORBIDDEN hatten heutige Klangkultur nachdrücklich mitgeformt. Nicht zu vergessen jene CAVALERA Brothers, die (zu Recht) alte Sepultura Tage hoch und runter feiern. Studio-mässig konzentrieren die beiden sich mehrheitlich aufs Wiedereinspielen alter Scheiben. Was seinen Reiz habe. Oder etwa nicht?

Fast durch die Lappen gegangen ist mir die NWOBHM Legende SAXON. 1977 als Son of a Bitch gegründet, zeichnet sich die Truppe um Vokalist Biff Bifford verantwortlich für eine Serie von Tonerzeugern mit Klassikerstatus. Ein Auftritt, um in Erinnerungen zu schwelgen...


In der erweiterten Doom-Stoner-Sludge-Ecke angelangt, kommen wir nicht umhin, auf MONKEY3 aus Lausanne zu verweisen. Weshalb die Schweizer gerade in ihrer Heimat eigentlich kaum bekannt sind, kann man sich fragen. Das seit gut einem Vierteljahrhundert tätige Quartett steht immerhin bei Napalm Records unter Vertrag und blickt auf eine Reihe erfolgreicher Veröffentlichungen zurück. Sie spielen in den Siebzigern verwurzelten Stoner Rock, der live ganz einfach supercool daherkommt!!!

Im Sludge Bereich stossen wir auf Kapellen, die kaum mehr vorgestellt werden wollen. NOLA-Vertreter EYEHATEGOD, die dir (und jeder PA) den noch so schönsten Tag gründlich vermiesen plus DOWN mit Phil Anselmo am Mikro. DER Anselmo übrigens, von dem im Grunde keiner davon ausgegangen war, dass er älter als Pantera werden würde - und heuer gleich noch mit SCOUR am Start steht. 

ELECTRIC WIZARD kommen nicht minder schmutzig daher, wobei sie gut angerauchten Tritoni huldigen, dass Hören vielversprechend visuelle Qualitäten erlangt. Ideal jedenfalls für sommerliche Abende. 

Plus viele mehr, die aufzuzählen (meinen?) mentalen Rahmen einigermassen sprengen...


Kommen wir zur Lastbutnotleast-Abteilung, wo FROG LEAP die Rating Liste deutlich anführt. Wieder eine Cover Band, zugegeben - oder aber Alchemisten, die egal was in Metall verwandeln, zum Beispiel den Song Ghostbusters. Nix zum richtig ernst nehmen, jedoch Spass Faktor 10 von 10. Muss auch mal sein, sind wir uns einig. 

MASTODON, ursprünglich aus Lethargy hervorgegangen, machen so richtig grosse Musik, ohne stilistisch einwandfrei schubladisiert werden zu können. Als Anspieltipp sind ihre Alben Leviathan (2004) und Blood Mountain (2006) zu nennen. Kürzlich waren pressemässg Geschichten um den Abgang von Gitarrist Brent Hinds zu lesen, der kurz darauf bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen war. 

TODAY IS THE DAY bezeichnen wir als experimentelle Hardcore-Combo, welche im Laufe der Jahre mehr und mehr zu sich gefunden resp. Harmoniebedürftigkeit entwickelt hat. Wenn du so willst. Solltest du damals im alten Millennium eine Schwäche für Rollins Band und dergleichen entwickelt haben, bist du bei TITD auf dem richtigen Dampfer. Dazu noch spielten sowohl Brann Dailor als auch Bill Kelliher von Mastodon auf der 1999er Scheibe  In the Eyes of God mit. 

Von CARPENTER BRUT magst du halten, was du willst, live wird der Darkwave der Franzosen um Franck Hueso jedoch zum schieren Erlebnis. Vorbereitend hörst du dir Leather Terror (2022) an, worauf Greg Puciato, Ulver, Sylvaine, Gunship, Persha und Jonka von Tribulation mitwirkten. Klingelt da was?



Metalcore und so? Muss ich leider passen. Doch bist du herzlich eingeladen, ein paar Zeilen zuzusenden, die nach bestem Wissen und Gewissen HIER veröffentlicht werden. Am besten gleich direkt an MICH...


Text von C. Sturzenegger




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